„Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung“ ein Spruch, der vor allem in Schottland seine Wahrheit beweist. Mit 161 Regentagen jährlich und immer einer steifen Brise darf hier der Windbreaker über der Softshelljacke unter der Regenjacke nicht fehlen. Wir wurden auf unserer Reise so nass, dass es sich nicht mehr gelohnt hat, die Kleider zu trocknen. Unser einziger Kommentar dazu: Jederzeit wieder! Denn Schottland ist dieses Schmuddelwetter absolut wert. Wenn wir ehrlich sind, macht ja gerade das seinen Charme aus.

Unsere Reise haben wir in Edinburgh begonnen, hier wandelt man auf den Spuren der schottischen Dichter und Denker oder eben in unserem Fall, auf den Spuren von J.K. Rowling und Harry Potter.

Ein absolutes Highlight ist die Victoria Street, im Stil der Winkelgasse schlängelt sie sich den Berg hinauf und lädt mit ihren vielen kleinen Lädchen zum Einkaufen ein. Die perfekte Gelegenheit, sich einen Lammwollschal im typisch schottischen Tartan oder eine flauschige Highlandkuh als Stofftier zu kaufen. Oder doch in einem der Cafés einen Tee und Scones zu genießen.

Edinburgh ist die perfekte Stadt, um sich von der Geschichte dieser alten Sandsteinbauten verzaubern zu lassen und in vergangenen Zeiten zu schwelgen, mögen sie noch so morbide sein.

Nach ein paar Tagen in der Stadt ging es für uns in die Natur, genauer gesagt, den Cairngorms National Park. Hier sind wir 2 Tage lang nur gewandert, von See zu See und durch kleine Wälder, vorbei an einsamen Cottages mit bunten Türen. Wie lässt es sich besser beschreiben als mit Idylle pur?

Als wir genug von der Ruhe hatten, ging es für uns tiefenentspannt weiter nach Inverness, die Hauptstadt der Highlands. Das merkt man auch, hier gibt es an jeder Ecke Kilts, Haggis und lokale Produkte wie zum Beispiel Kerzen aus Highlandkräutern. Ein Laden hat sich sogar auf die Fahne geschrieben, für jeden schottischen Nachnamen den richtigen Kilt zu verkaufen, wir waren nach langem studieren der Liste nur teilweise enttäuscht, dass unsere Namen wohl tatsächlich ziemlich deutsch sind und wir keinen eigenen Tartan haben. Unseren Kilt müssen wir dann eben selbst entwerfen. Naja, in die zahlreichen schottischen Pubs haben sie uns trotzdem gelassen. Und nach ein paar Bierchen haben wir uns, wie alle anderen Touris auch, erfolgreich eingeredet, wir könnten den Text zu all den Songs. Das stimmte auch teilweise… wenigstens für den Refrain.

Das wohl eigentlich Spezielle an Inverness lässt sich schon am Namen erkennen. „Ness“ wie Nessie? Ja, tatsächlich, der Loch Ness befindet sich nur etwa eine halbe Autostunde von Inverness entfernt. Hier haben wir, mit dickem Pulli, Jacke und einer heißen Schokolade, beobachtet wie die ganz hart gesottenen Schotten früh morgens ins eiskalte Wasser springen, als gäbe es nichts Normaleres. Oder als würde hier nicht vielleicht doch ein gefährliches Monster leben. Nessie haben wir leider nicht gesehen, dafür aber zahlreiche Plüschrepliken, damit waren wir dann, aus Sicherheitsgründen, auch mehr als zufrieden.

Inverness ist ca. 3 Stunden von der weltberühmten Isle of Skye entfernt. Diese Insel konnten wir uns natürlich nicht entgehen lassen, also sind wir in einen Bus gestiegen und haben uns auf den Weg gemacht. Unterwegs wurde es immer nebliger, was wir bei dem Namen der Insel auch erwartet hätten. Die Berge wurden immer höher, bis wir die Spitzen nicht mal mehr aus dem Fenster sehen konnten. Als wir dann in Portree ankamen, strahlte uns die Sonne entgegen. Ausnahmsweise mal ein Klischee, das nicht bedient wurde.

Uns hat überrascht, wie schwierig es war, ohne Auto auszukommen. Man sollte meinen, an so einem touristischen Ort fahren Shuttlebusse zu den wichtigsten Attraktionen. Hier Fehlanzeige. Uns blieb nicht anderes übrig, als Linienbusse am Straßenrand anzuhalten, anscheinend hier so üblich, für uns aber mehr als ungewöhnlich. Diese Busse haben wir dann genommen, um möglichst nah zu unseren Zielen zu kommen, dann hieß es trampen. Wir haben es am Anfang kaum geglaubt, aber gerade hier ist es mehr als sicher, sich von anderen Touristen mitnehmen zu lassen. Man hat ja meistens die gleichen Ziele und die einzigen am Straßenrand waren wir auch nicht.

Auf der Isle of Skye haben wir zum ersten Mal den schottischen Whisky probiert und schnell gemerkt, dass dieses Getränk eine wahre Leidenschaft für die Schotten ist. Unser Kellner konnte fast gar nicht mehr aufhören, uns von seinem Lieblingswhisky zu erzählen, wie man ihn am besten trinkt und was man auf keinen Fall machen darf, mit etwas anderem als Wasser verdünnen, zum Beispiel.

Auf unserem Weg nach Glasgow sind wir durch das wunderschöne Glencoe, vorbei am Ben Nevis und durch den Loch Lomond and the Trossachs National Park gefahren. In dieser Gegend wurden mehrere Teile von Harry Potter gedreht, Eulen haben wir aber leider keine gesehen.

In Glasgow angekommen, wurden wir fast von Stadtlärm, Autos und Menschen erschlagen. Das war schon ganz ungewohnt geworden. Das schöne an den meisten Städten der Highlands, inklusive Edinburgh, ist dass sie fast autofreie Innenstädte haben und man hier nur selten auf den Verkehr achten muss. Auch in Glasgow gab es ziemlich viele Straßen, auf denen man kaum Autos gesehen hat.

Glasgow hatte leider nichts mehr mit Highlandidylle zu tun, hier reiht sich modernes Restaurant an Bar, an Club und alles voll mit Geschichte und Menschen. Definitiv ein Ort für Großstadtmenschen, für uns war es allerdings zu viel. Trotzdem kann man im Nachhinein sagen, die Stadt war nett, nur leider keins unserer Highlights.

Und damit ging es dann, mit einem Koffer voller Souvenirs, einer Galerie voller Bilder und einem Kopf voller Erinnerungen wieder zurück nach Hause in den schönen Schwarzwald. Wo Berge irgendwie nicht ganz so bergig sind und man im Juni tatsächlich mal braun werden kann.

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